Glasfaser-Hausstich: Ablauf, Bauverfahren und Kontrolle

„Hausstich“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Bau des Glasfaser-Hausanschlusses von der Trasse im öffentlichen Raum über das Grundstück bis zur Hauseinführung. Je nach Boden, vorhandenen Leitungen und Anbieter kommen Erdrakete, Spülbohrung, Fräse oder ein offener Graben zum Einsatz. Die konkrete Methode entscheidet der Baupartner vor Ort.

Was vor dem Hausstich feststehen muss

  • Trassenverlauf von der Grundstücksgrenze bis zum Gebäude;
  • Position der Hauseinführung und des Gf-AP beziehungsweise HÜP;
  • Zugang zu Grundstück, Keller oder Hausanschlussraum;
  • bekannte Lage von Strom, Gas, Wasser, Abwasser und vorhandenen Telekommunikationsleitungen;
  • besondere Oberflächen wie Pflaster, Asphalt, Beete oder Stützmauern;
  • Zuständigkeit für Vorleistungen und Wiederherstellung laut Auftrag;
  • Freigaben von Eigentümer, Verwaltung oder weiterer Berechtigter.

Diese Punkte werden üblicherweise bei der Hausbegehung dokumentiert. Abweichungen sollten vor Beginn der Arbeiten mit dem Baupartner geklärt werden. Eigene Grabungen oder Bohrungen ohne Leitungsplan und Freigabe sind riskant.

So läuft der Glasfaser-Hausstich typischerweise ab

  1. Baustelle sichern: Arbeitsbereich, Start- und Zielgrube beziehungsweise Graben werden markiert und abgesperrt.
  2. Bestandsleitungen prüfen: Der Baupartner gleicht die geplante Strecke mit Plänen und örtlichen Gegebenheiten ab; bei Bedarf sind Suchschachtungen nötig.
  3. Schutzrohr verlegen: Von der Straßentrasse wird ein Mikrorohr oder Schutzrohr bis zur Hauswand geführt.
  4. Glasfaser einbringen: Das Glasfaserkabel wird je nach Ausbaukonzept eingeblasen oder eingezogen.
  5. Hauseinführung herstellen: Am abgestimmten Punkt wird die Gebäudehülle durchdrungen und fachgerecht abgedichtet.
  6. Gf-AP/HÜP montieren: Im Gebäude wird der passive Glasfaser-Abschlusspunkt nach den Vorgaben des Netzbetreibers gesetzt.
  7. Strecke prüfen und dokumentieren: Leitungsweg, Komponenten und gegebenenfalls Messwerte werden erfasst.
  8. Oberflächen schließen: Gruben oder Graben werden entsprechend dem Bauauftrag verfüllt und die Oberfläche wiederhergestellt oder zunächst provisorisch geschlossen.

Einige Anbieter trennen Tiefbau, Hauseinführung, Innenmontage und Aktivierung auf mehrere Termine. Deshalb bedeutet ein abgeschlossener Hausstich nicht automatisch, dass der Internetanschluss bereits nutzbar ist.

Welche Bauverfahren möglich sind

Verfahren Typischer Einsatz Grenzen
Erdrakete / Bodenverdrängung Kurze unterirdische Strecke zwischen Start- und Zielgrube, ohne die gesamte Oberfläche zu öffnen. Geeigneter Boden, ausreichender Platz und sichere Kenntnis anderer Leitungen erforderlich.
Spülbohrung Gesteuerte unterirdische Querung längerer oder empfindlicher Bereiche. Aufwendige Planung, Geräteplatz und Fachausführung nötig.
Fräsverfahren Schmaler Schlitz in geeigneten Oberflächen für die Trasse. Nicht für jede Oberfläche oder Grundstückssituation geeignet.
Offener Graben Wenn unterirdische Verfahren ungeeignet sind oder der Leitungsverlauf offen zugänglich sein muss. Größerer Eingriff in Oberfläche und Garten.
Vorhandenes Leerrohr Wenn ein durchgängiger, freier und geeigneter Leitungsweg vorhanden ist. Querschnitt, Belegung, Biegeradien und Zugänglichkeit müssen passen.

Telekom und Deutsche Glasfaser nennen mehrere Verfahren und betonen, dass die Auswahl von den örtlichen Bedingungen abhängt. Eine Methode lässt sich deshalb nicht allein anhand von Grundstückslänge oder Foto verbindlich festlegen.

Was nach dem Hausstich geprüft werden sollte

  • Hauseinführung sichtbar dicht und sauber ausgeführt;
  • Gf-AP/HÜP fest montiert und eindeutig beschriftet;
  • Leitungsweg und Lage des Schutzrohrs dokumentiert;
  • Pflaster, Asphalt, Rasen oder Beete gemäß Vereinbarung wiederhergestellt;
  • keine offenen Gruben, scharfen Kanten oder ungesicherten Kabelenden;
  • Fotodokumentation vor dem vollständigen Verschließen erstellt;
  • nächster Termin für Gebäudeglasfaser, Gf-TA, ONT und Aktivierung bekannt;
  • erkennbare Abweichungen sofort im Abnahme- oder Bauprotokoll festgehalten.

Der Hausstich betrifft den FTTH-Bauweg. Die spätere Verbindung im Gebäude läuft über Gf-AP/HÜP, Gebäudeglasfaser, Gf-TA und gegebenenfalls ONT zum Router. APL und TAE gehören dagegen zum Kupferanschluss; WLAN und Mesh beginnen erst hinter dem Router.

Bei Schäden oder Abweichungen

  1. Arbeitsstelle und Schaden fotografisch dokumentieren, ohne die Baustelle zu betreten.
  2. Baupartner, Auftraggeber und Vorgangsnummer notieren.
  3. Gefahrstellen sofort absichern lassen; bei beschädigten Versorgungsleitungen Abstand halten und den zuständigen Entstördienst rufen.
  4. Abweichung vom Begehungsprotokoll schriftlich festhalten.
  5. Keine provisorische Reparatur an Hauseinführung, Schutzrohr oder Glasfaser selbst vornehmen.

Weiterführende Anleitungen

Häufige Fragen

Muss der Garten vollständig aufgegraben werden?

Nicht zwingend. Unterirdische Verfahren können mit wenigen Start- und Zielöffnungen auskommen. Ob sie möglich sind, entscheidet der Baupartner anhand von Boden, Leitungen und Platz.

Wird beim Hausstich schon Internet aktiviert?

Nicht unbedingt. Häufig folgen Innenverkabelung, Gf-TA, Glasfasermodem und Aktivierung in weiteren Arbeitsschritten oder Terminen.

Wo kommt die Glasfaser ins Haus?

Am bei der Hausbegehung festgelegten Punkt, üblicherweise nahe vorhandener Hauseinführungen beziehungsweise dem Hausanschlussraum. Maßgeblich sind die Vorgaben des Netzbetreibers und die Gebäudesituation.

Wer stellt Pflaster oder Rasen wieder her?

Das richtet sich nach Auftrag, Eigentumsgrenze und Bedingungen des Netzbetreibers. Umfang und Qualität der Wiederherstellung sollten vor Baubeginn dokumentiert sein.

Geprüfte Primärquellen

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