VDSL2-Profil 35b
Supervectoring ist VDSL2 mit dem Profil 35b und koordinierter Störkompensation. Es nutzt einen deutlich breiteren Frequenzbereich als das verbreitete Profil 17a – bleibt auf der Strecke vom DSLAM bis zur TAE aber eine Übertragung über Kupfer.

Was bedeutet Supervectoring?
Supervectoring ist die im deutschen Markt gebräuchliche Bezeichnung für VDSL2 mit Profil 35b und Vectoring. Die ITU-T-Spezifikation G.993.2 definiert das VDSL2-Profil, G.993.5 die koordinierte Unterdrückung des Eigen-Fernnebensprechens zwischen Leitungen. Beide Bestandteile gehören zusammen: das breitere Spektrum schafft zusätzliche Übertragungskapazität, Vectoring reduziert Störungen zwischen den beteiligten Doppeladern.
Die Technik wird am Port eines DSLAM oder MSAN bereitgestellt. Ein Router kann Supervectoring nicht erzeugen, wenn Netz und Port das Profil nicht anbieten.
Was Profil 35b verändert
VDSL2-Profil 17a nutzt Frequenzen bis rund 17 MHz. Profil 35b erweitert den nutzbaren Bereich bis rund 35 MHz. Die zusätzlichen hohen Frequenzen können auf kurzen, geeigneten Kupferleitungen mehr Daten tragen, werden aber stärker gedämpft. Mit wachsender Leitungslänge schrumpft ihr Vorteil deutlich.
| Einfluss | Folge für Profil 35b |
|---|---|
| Kurze, technisch geeignete Kupferstrecke | Mehr nutzbares Spektrum kann die Synchronisationsrate erhöhen. |
| Lange Leitung | Hohe Frequenzen kommen stark gedämpft an; der Mehrwert sinkt. |
| Übersprechen im Kabelbündel | Vectoring koordiniert die Leitungen und reduziert Eigen-FEXT. |
| Schlechte Kontaktstelle oder ungeeignete Endleitung | Stabilität und Rate können trotz Supervectoring leiden. |
Eine Tarifbezeichnung ist deshalb keine technische Garantie für eine bestimmte Synchronisation. Portprofil, Leitungsweg, Dämpfung, Störabstand, Verkabelung und Modem müssen zusammenpassen.
Der Signalweg bleibt FTTC plus Kupfer
- Das Transportnetz führt Glasfaser bis zum Multifunktionsgehäuse nahe dem KVz.
- Der Outdoor-DSLAM oder MSAN stellt am Port VDSL2-Profil 35b bereit.
- Vom Technikstandort läuft das Signal über die Kupfer-Doppelader zum APL des Gebäudes.
- Die Endleitung führt weiter zur ersten TAE.
- Ein 35b-kompatibles DSL-Modem synchronisiert mit dem Port; der Router baut anschließend die Internetverbindung auf.
Diese Architektur heißt FTTC, weil die Glasfaser am Straßenverteiler endet. Bei FTTH führt die Glasfaser bis ins Gebäude oder in die Nutzungseinheit; dort übernehmen Gf-AP, Gf-TA und gegebenenfalls ONT die glasfaserspezifischen Aufgaben. APL und TAE gehören dagegen zum Kupferweg.
Was für Supervectoring erforderlich ist
- Passender Netzport: Der MSAN muss VDSL2-Profil 35b und die zugehörige Vectoring-Steuerung unterstützen.
- Geeignete Teilnehmerleitung: Länge, Aderzustand, Dämpfung und Belegung müssen das Profil zulassen.
- Kompatibles Modem: Der Router oder das vorgeschaltete DSL-Modem muss Profil 35b unterstützen.
- Saubere Hausverkabelung: Unnötige Abzweige, Parallelverdrahtungen und ungeeignete Kabel können hohe Frequenzen besonders beeinträchtigen.
- Korrekte Schaltung: Tarif, Portprofil und Leitungsführung werden vom Anbieter beziehungsweise Netzbetreiber festgelegt.
Ob ein Router 35b unterstützt, steht im Herstellerdatenblatt. Eine allgemeine Angabe wie „VDSL-fähig“ reicht nicht aus, weil ältere VDSL2-Modems nur andere Profile beherrschen können.
Vectoring, Supervectoring und FTTH
| Technik | Letzter Abschnitt | Wesentliches Merkmal |
|---|---|---|
| VDSL2-Vectoring, meist Profil 17a | Kupfer bis zur TAE | Koordinierte Störkompensation im VDSL2-Bündel. |
| Supervectoring, Profil 35b | Kupfer bis zur TAE | Breiterer Frequenzbereich plus Vectoring. |
| FTTH | Glasfaser bis ins Gebäude oder die Nutzungseinheit | Optischer Anschluss; kein VDSL2-Profil und kein DSLAM im Datenweg. |
Mehr zum Grundprinzip der Störkompensation steht im Beitrag Vectoring erklärt. Den Kupferweg zwischen Netz und Teilnehmer ordnet TAL erklärt ein.
Häufige Fragen zu Supervectoring
Kann jeder VDSL-Router Supervectoring?
Nein. Das integrierte Modem muss VDSL2-Profil 35b unterstützen. Ein Router ohne 35b kann je nach Netzkonfiguration eventuell mit einem niedrigeren Profil synchronisieren, nutzt dann aber nicht Supervectoring.
Warum zeigt der Router eine niedrigere Rate als das Portmaximum?
Das Portmaximum beschreibt eine Konfigurationsgrenze. Die tatsächliche Synchronisation berücksichtigt die gemessenen Leitungsbedingungen. Für den Netto-Datendurchsatz kommen außerdem Protokollanteile und die Auslastung weiterer Netzabschnitte hinzu.
Hilft ein neuer Router bei einer schlechten Kupferleitung?
Ein passendes Modem ist Voraussetzung und kann sich im Verhalten unterscheiden. Es beseitigt aber keine hohe Leitungsdämpfung, feuchte Kontakte oder ungeeignete Hausverkabelung. Solche Ursachen müssen gemessen und behoben werden.
Ist Supervectoring zukunftssicherer als FTTH?
Supervectoring nutzt bestehende Kupferleitungen effizienter. FTTH ersetzt den kupferbasierten letzten Abschnitt durch Glasfaser und ist technisch eine andere Anschlussarchitektur. Eine pauschale Gleichsetzung ist falsch.
Geprüfte Quellen
- ITU-T G.993.2: VDSL2 einschließlich Profil 35b
- ITU-T G.993.5: Self-FEXT cancellation für VDSL2
- Bundesnetzagentur: Leistungsbeschreibung VDSL2 mit Supervectoring
- T Wholesale: VDSL-Varianten einschließlich Supervectoring
Fachlich geprüft am 11.08.2026. Portprofile und erreichbare Datenraten unterscheiden sich je nach Netz und Leitung.