Kurz gesagt: Stahlbeton kann WLAN stark dämpfen, weil sowohl der wasserhaltige Baustoff als auch die Stahlbewehrung die Funkverbindung beeinflussen. Wie groß der Verlust tatsächlich ist, lässt sich aber nicht seriös aus Wanddicke oder Entfernung allein berechnen. Entscheidend sind Grundriss, Bewehrung, Durchdringungswinkel, Türen, Installationsschächte, Frequenzband und Störungen vor Ort.
Warum Stahlbeton für WLAN schwierig ist
WLAN-Funkwellen werden an Bauteilen gedämpft, reflektiert und in verschiedene Richtungen verteilt. Bei Stahlbeton wirken Beton und Metallbewehrung gemeinsam. Eine einzelne massive Wand kann daher mehr Einfluss haben als mehrere leichte Innenwände. Besonders ungünstig ist eine Funkstrecke schräg durch eine Wand oder Decke: Der Weg durch das Material wird länger als bei einer möglichst geraden Durchdringung.
Feste Dezibel- oder Reichweitenwerte für „eine Stahlbetonwand“ wären irreführend. Materialzusammensetzung, Feuchtigkeit, Bewehrungsraster und Bauweise unterscheiden sich. Cisco empfiehlt für belastbare WLAN-Planungen deshalb eine Funkmessung am realen Standort; auch Heatmaps bleiben ohne korrekt modellierte Baustoffe nur Näherungen.
2,4 GHz oder 5 GHz durch Beton?
| Band | Typische Stärke | Grenze bei Stahlbeton |
|---|---|---|
| 2,4 GHz | Unter vergleichbaren Bedingungen häufig größere Reichweite und bessere Durchdringung | Weniger freie Kanäle und oft mehr gemeinsame Nutzung durch andere Geräte und Netze |
| 5 GHz | Häufig mehr Kapazität und breitere Kanäle bei kurzer, guter Funkstrecke | Reagiert meist stärker auf Entfernung und massive Hindernisse |
Das bedeutet nicht, dass 2,4 GHz immer schneller oder 5 GHz hinter jeder Betonwand unbrauchbar ist. Moderne Router und Endgeräte können beide Bänder nutzen und per Band Steering verteilen. Messen Sie am tatsächlichen Nutzungsort; die schnellere Verbindung im selben Raum muss nicht die stabilere Verbindung hinter einer Decke sein.
So prüfen Sie das Problem systematisch
- Internetanschluss vom WLAN trennen: Testen Sie einen Computer per Gigabit-LAN direkt am Router. Ist LAN schnell und WLAN langsam, liegt die Ursache wahrscheinlich im Heimnetz und nicht am Glasfaser-, DSL- oder Koaxanschluss.
- Mit demselben Gerät messen: Vergleichen Sie Routerraum, Türöffnung, Flur und Zielraum. Unterschiedliche Smartphones oder Notebooks haben unterschiedliche Antennen und verfälschen den Vergleich.
- Beide Frequenzbänder vergleichen: Prüfen Sie 2,4 und 5 GHz, sofern Router und Endgerät das zulassen. Bewerten Sie nicht nur einen kurzen Geschwindigkeitstest, sondern auch Stabilität und Latenz.
- Funkweg verändern: Schon ein Standort näher an einer Tür, einem Treppenhaus oder Installationsschacht kann günstiger sein als die direkte Strecke durch Beton.
- Zu mehreren Zeiten testen: Benachbarte WLANs und andere Funkanwendungen teilen Frequenzen. Eine Messung am Morgen kann anders ausfallen als am Abend.
Welche Lösung passt?
Router freier und zentraler aufstellen
Der Router sollte nicht im geschlossenen Schrank, direkt auf dem Boden oder hinter Metall stehen. Telekom empfiehlt eine freie, möglichst zentrale Aufstellung und nennt unter anderem wasserhaltige Baustoffe, Metallflächen und Leichtbauwände mit Metall als mögliche Hindernisse. Wenn der Glasfaserabschluss im Keller liegt, muss der Router nicht zwangsläufig dort bleiben: Je nach Anschlusskonzept kann eine geeignete Ethernet-Verbindung vom ONT zum Router einen besseren Standort ermöglichen.
Repeater nur mit guter Zubringerverbindung
Ein drahtloser Repeater gehört nicht in den Raum, in dem bereits kein brauchbares Router-Signal ankommt. Er sollte zwischen Router und Zielbereich stehen und den Router noch in guter Qualität empfangen. Bei einer massiven Geschossdecke ist ein Platz im Treppenhaus oft prüfenswerter als direkt darüber oder darunter. Die ausführliche Anleitung finden Sie unter Repeater richtig platzieren.
Access Point mit LAN-Backhaul
Bei mehreren Stahlbetonwänden oder -decken ist ein Netzwerkkabel meist die verlässlichste Verbindung zwischen den Etagen oder Bereichen. Ein Access Point stellt am Zielort neues WLAN bereit, ohne dass der Datenweg zurück zum Router ebenfalls durch den Stahlbeton funken muss. Bestehende strukturierte Verkabelung sollte deshalb zuerst geprüft werden. Mehr dazu: Access Point erklärt.
Mesh sinnvoll planen
Mesh koordiniert kompatible Zugangspunkte, beseitigt aber keine physikalische Dämpfung. Auch ein Mesh-Knoten braucht eine gute Verbindung zum Hauptgerät. Besonders robust ist ein Mesh mit LAN-Backhaul. Endgeräte entscheiden außerdem am Roaming mit und können zeitweise an einem weiter entfernten Zugangspunkt festhalten.
Powerline nur nach Test
Powerline nutzt Stromleitungen statt eines direkten WLAN-Funkwegs. Die Leistung hängt stark von Elektroinstallation, Stromkreisen und Störquellen ab; sie ist deshalb keine garantierte Lösung für Stahlbetongebäude. Testen Sie eine solche Verbindung unter realen Bedingungen und bevorzugen Sie Ethernet, wenn es verfügbar ist.
Typische Gebäude-Situationen
| Situation | Sinnvoller erster Schritt |
|---|---|
| Eine massive Wand zwischen Router und Arbeitszimmer | Routerposition und Türweg testen; 2,4/5 GHz vergleichen |
| Stahlbetondecke zwischen Keller und Erdgeschoss | Ethernet zum zentralen Access Point oder Mesh-Knoten prüfen |
| Mehrere Etagen mit vorhandenen LAN-Dosen | Pro benötigtem Bereich verkabelten Access Point planen |
| Repeater zeigt im Zielraum gutes WLAN, aber wenig Durchsatz | Zubringerverbindung zum Router prüfen und Standort verändern |
| Nur ein Endgerät ist betroffen | Treiber, Frequenzband und WLAN-Fähigkeiten dieses Geräts prüfen |
FTTH, DSL und Koax sauber trennen
Stahlbeton betrifft die WLAN-Funkverteilung im Gebäude, nicht automatisch den eigentlichen Internetzugang. Bei FTTH endet die Glasfaser am Gf-AP beziehungsweise an der vorgesehenen Glasfaser-Anschlusskomponente und häufig an einem ONT; ab dem Router beginnt das Heimnetz. Bei DSL führt der Kupfer-Signalweg typischerweise über APL und TAE zum DSL-Router. Beim Kabelanschluss kommt das Signal über das Koaxnetz. Ein langsames WLAN hinter Stahlbeton kann bei allen drei Anschlussarten auftreten, obwohl der Anschluss am Router einwandfrei arbeitet.
Häufige Fragen
Kann WLAN eine Stahlbetonwand durchdringen?
Ja, das ist möglich, aber die Verbindung kann stark gedämpft oder instabil sein. Eine pauschale Reichweite gibt es nicht. Messen Sie am Nutzungsort und planen Sie bei mehreren massiven Bauteilen zusätzliche, möglichst verkabelte Zugangspunkte.
Hilft ein stärkerer Router?
Nicht automatisch. Die zulässige Funkleistung ist reguliert, und die Rückrichtung vom Endgerät zum Router muss ebenfalls funktionieren. Ein besserer Standort oder ein verkabelter Access Point ist häufig wirksamer als allein der Tausch des Routers.
Wo sollte ein Access Point stehen?
Möglichst im zu versorgenden Bereich, frei und nicht hinter Metall oder im Schrank. Bei mehreren Etagen ist ein eigener, per LAN angebundener Zugangspunkt pro schwierigem Bereich oft sinnvoller als der Versuch, alle Decken von einem Standort aus zu überwinden.
Ist eine WLAN-App ausreichend?
Sie hilft beim Vergleich von Signalpegeln und Zugangspunkten. Für eine belastbare Planung zählen zusätzlich Durchsatz, Latenz, Stabilität und Tests an allen wichtigen Nutzungsorten. Professionelle Umgebungen benötigen gegebenenfalls eine Funkmessung vor Ort.